French Angst

Irgendwie haben alle Angst. In der Schule dürfen die Kinder nicht auf das Dach der Spielplatzlokomotive klettern, wenn ich sie dann auf dem Simply-Spielplatz auf das Dach der dortigen Lokomotive wuchte (siehe Fotos bei FB), fühle ich mich gleich ganz schuldig. Die Kletterwand im Schulhof darf nicht benutzt werden, weil der Tartanteppich 10 cm zu kurz verlegt wurde und niemand das ändert – Unfallgefahr. Wenn Schnee liegt, dürfen die Kinder im deutschen Kindergartenalter (4 und 5 Jahre) in der Schule nicht durch den Schnee laufen – Unfallgefahr. Rennen auf den Gängen der Schule ist schon mal ganz verboten – keine Ahnung, warum. Mit mir macht’s Marc, aber wenn wir uns einem offenen Klassenraum oder auch nur einem Mitschüler oder dessen Eltern nähern, hört er sofort wieder auf. Als ich dem Direktor der Schule unsere guterhaltenen Bobbycar und Bobbymoto ***schenken*** wollte, war er erst mal so drauf, was das denn sei (statt Danke zu sagen und sich zu freuen). Ich sage, na genau das, was sie da schon zigmal (übrigens nicht von Bobby) zu stehen haben und er so, aber ist das denn sicher? Ich denke mir, Oh Mann, was ist das denn jetzt für ein Bedenkenträger (dabei ist der Direktor noch nett) und sage so sinnbildlich, naja für Deutschland hat die Sicherheit gereicht und es ist doch ein Bobbycar! Schlußendlich hat er’s genommen, aber irgendwie bin ich das Gefühl nicht losgeworden, ich mußte ihm das Geschenk “verkaufen”. Wenn ich Marc abhole und schon mal in die Knie gehe, um ihn in die Arme zu nehmen, dann rennt er nicht etwa los, sondern er guckt zu seiner Lehrerin, ob er zu mir kommen darf. Weil sie häufig abgelenkt ist oder absichtlich seinen Blick nicht erwidert, entstehen so Augenblicke, in denen wir beide wie angewurzelt dastehen und sich niemand bewegen kann. Und hinter meinem Rücken sagen die Lehrerin oder die Erzieherin denjenigen Kindern, die aufgestanden sind, um mit mir zu reden oder mir Fünf zu geben, sie sollen sich wieder hinsetzen.
Aber auch bei vielen Erwachsenen, die einem sagen, geht nicht oder kann ich nicht (als die Hausmeisterin uns mal nach Schulschluß zum Pullern wieder in die bis zum Hortschluß abgeschlossene Schule wieder reingelassen hat und sagte, sie dürfe das zwar nicht, aber nehme es auf ihre Kappe, war ich über soviel Eigeninitiative total überrascht), sehe ich, wenn ich sie mir genau angucke (meine vielleicht 30jährige Beraterin bei Adecco oder die vielleicht 50jährige Frau auf dem Finanzamt) immer noch das kleine Kind, das zu Mami oder Papi oder auf die Lokomotive will, aber aufgrund eine dichten Netzes von Regeln lieber gar nichts macht, als etwas falsch zu machen.

Update 1.6.2010:

Aber heute sehe ich eine Schulklasse auf Wandertag, die, angeführt von ihrer Lehrerin, bei Rot über die Kreuzung einer Hauptverkehrsstraße geht! Verstehe einer dieses Land!

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One thought on “French Angst

  1. Pingback: Red light in my eyes pt. 2 | Alexander Cartiers Blog

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