Android 2.1 Eclair auf dem Huawei U8230

Ich wollte schon lange Zeit von meinem Android 1.5 Cupcake, mit dem ich das Handy bei Bouygues Telecom für € 39.- mit Zweijahresvertrag gekauft habe, auf Android 2.1 Eclair updaten. Auf der Herstellerseite http://www.huaweidevice.com/worldwide/downLoadDetail.do?method=view&centerFlag=software&productId=3058&oneSelected=3&twoSelected=37&thirdSelected=3058 findet man verschiedene Updates, die sich je nach Land und sogenannter Buildnummer unterscheiden. Ich hatte mein Handy mit Android 1.5 Cupcake Build 219 gekauft und schon einmal auf Build 250 geupdatet, was mir zwar ein besseres, schöneres (nicht mehr Bouygues-Telecom-designtes) und offeneres (es gab mehr Sprachen und mehr Korrekturhilfen) Android 1.5 bescherte, aber immer noch kein 1.6 oder 2.0 oder 2.1. Ich hab einfach ab und zu auf der Seite vorbeigeschaut und fand nun folgende Updates:
Build 214 Österreich
Build 219 Frankreich
Build 224 Dänemark
Build 249 Schweiz
Build 263 Litauen
Build 268 Portugal
Build 274 Oman

Die Buildnummer sagt leider nichts über die Android-Version aus! Die ersten vier waren für mich egal, weil ich ja schon Build 250 hatte. Litauen und Portugal waren von der Downloadgröße etwas größer, also tippte ich hier auf 1.6, Oman war noch mal größer, hier hoffte ich auf 2.0 oder 2.1. Der Updateweg ist immer derselbe: man entpackt den Download, kopiert dann das Verzeichnis “dload” auf die formatierte Speicherkarte des Handies und updatet über das Handymenü “SD-Karte und Speicher | Software-Aktualisierung”. Genau das machte ich auch mit dem Oman-Build.
Der Update blieb bei Schritt 2 von 2 “Installing” stehen und zeigte dann “Update failed” mit einem gelben Warndreieck darunter. Das war alles, das Telefon war im Eimer, und wenn man den Akku rausnahm und neustartete, startete das Handy mit einer Recoveryumgebung, in der man nur Neustarten oder den Factory Reset und Löschen der Speicherkarte zur Auswahl hatte.
Durch das readme.txt einer der entpackten Update-Files lernte ich, wie man ein Update von außerhalb des laufenden Telefons startet: man nimmt den Akku etwas länger als 1s raus, so daß das Telefon auch wirklich aus ist (wenn man’s kürzer macht, geht es gleich nach dem Wiedereinlegen des Akkus wieder an, quasi ein Reset), drückt dann “Lautstärke lauter” und “Auflegetaste” (ganz rechts) gleichzeitig und drückt dann auf den Ein-/Ausschalter. Hat man den “dload”-Ordner auf die Speicherkarte kopiert und diese eingelegt, versucht das Handy dann ohne laufendes Android das Update einzuspielen. Das funktioniert aber nur, wenn man ein Build mit größerer oder gleicher Nummer einspielt, bei kleineren Nummern (als 274 in meinem Fall) kommt das bekannte “Update failed”, allerdings sofort, noch bevor die Schritte 1 und 2 (“Unpacking” und “Installing”) beginnen können. Da das Oman-Update mit 274 bereits die höchste verfügbare Nummer hatte, war ich an dieser Stelle gegrounded, ich spielte wieder und wieder die 274 ein, aber immer wieder kam bei Schritt 2 von 2 “Update failed”. An dieser Stelle schrieb ich eine e-mail an eine der beiden Huawei-Werkstätten in Frankreich mit der Frage, ob sie vielleicht ein Build mit einer höheren Nummer hätten, nur um 3 Tage später eine total bürokratische Mail mit einer saudummen Antwort zu bekommen.
Also fing ich an zu googeln und stieß relativ bald auf Amon RA Recovery, ein Programm, mit dem man ein gecrashtes Handy wieder flott kriegen kann. Dieses Programm gibt es für jedes HTC-Handy einzeln, man muß also zum Beispiel auch erstmal herausfinden, daß mein U8230 die ungebrandete Version des U8220 ist, welches wiederum als T-Mobile Pulse bekannt ist. Amon RA gibt es in der neuesten Version 1.7.0, davor gab es 1.6.2, diese beiden Versionen gibt es für alle HTC-Handies, die letzte Version, die ich für das Pulse gefunden habe, ist 1.5.2. Weil ich ja nun keine Ahnung hatte, dachte ich, daß die Tatsache, daß Amon RA als Recovery IMAGE vorliegt, bedeutet, daß ich das Programm auf einem Windows-Computer nur per CD, die ich mir von dem Image brenne, installieren kann. Als aber das Mounten der Amon RA-*.img-Datei per Daemon Tools zweimal fehlgeschlagen war und auch das Brennen auf CD per Windows 7 nicht funktionierte, kam ich langsam darauf, daß dieses Image DIREKT auf das Handy gespielt werden muß und dort auf dem Handy eine Recovery-Umgebung installiert. Man kann es auch irgendwie per Speicherkarte (also wie die Updates) auf’s Handy übertragen, aber wie, das hab’ ich nicht herausgefunden. Was ich herausgefunden hab’, ist, daß es per Fastboot und USB-Kabel geht.
Was ist Fastboot? Fastboot ist ein Startmodus eines Android-Handies, der es erlaubt, Recovery-Images wie Amon RA per USB-Kabel auf das Handy zu übertragen. Wie kommt man in den Fastboot-Modus?

  1. Man drückt an seinem Handy die “Lautstärke leiser”- und die “Auflegen”-Taste (ganz rechts) gleichzeitig und schaltet dann das Handy mit dem Ein-/Ausschalter ein. Dabei wird man vielleicht nicht im ersten Versuch in den Fastboot-Modus kommen, man muß die Ein-/Austaste gefühlt etwas kürzer als 1s drücken, drückt man sie zu kurz, startet das Handy “normal” (in diesem Fall also mit Recoverybildschirm), drückt man sie zu lange, startet das Handy gar nicht, Bildschirm bleibt grau, nur die Hintergrundbeleuchtung geht an. Macht man alles richtig, startet das Handy mit einem blauen Bildschirm, auf dem man u.a. “Fastboot” lesen kann.
  2. Man verbindet seinen Computer per USB-Kabel mit dem Handy. In meinem Fall (deutsches Windows 7 Home Premium x64) zog sich der Gerätemanager direkt beim Anschließen den passenden Treiber (Android Fastboot-Treiber) von Windows Update. Für andere Betriebsysteme müßte es reichen, wenn man auf dem Computer die PC-Suite, die mit dem Handy mitgeliefert wurde, installiert, dann müßten die nötigen Treiber mitinstalliert werden. Falls man die PC-Suite-CD nicht mehr hat, kann man die PC Suite auch von Huawei unter o.g. Link herunterladen.
  3. Fastboot auf dem Computer aktivieren. Fastboot ist kein mit Windows mitgeliefertes Programm. Es ist ein Teil der Android-Entwicklerumgebung, des sogenannten SDK. Dieses kann man sich hier http://developer.android.com/sdk/index.html herunterladen.
  4. Muß man aber nicht. Es gibt Pakete, die sowohl das Amon-RA-Recovery-Image als auch das Programm Fastboot enthalten. Ein nachnamenloser Paul, der offensichtlich die für Androidhandies zentrale Seite Modaco betreibt, hat je nach Handymodell, Pakete geschnürt, die im aktuellsten Fall Fastboot und Amon RA 1.7.0, im Fall meines U8230/Pulse nur Fastboot und Amon RA 1.5.2, enthalten. Ein solches Paket gibt hier http://www.romraid.com/paul/pulse/1.5.2-pulse-amonrarecovery.zip. Man entpackt den Inhalt in ein beliebiges Verzeichnis, doppelklickt auf “install-recovery-windows” und kann auf dem blauen Fastbootbildschirm des Handies ablesen, daß das Recoveryimage “recovery” erfolgreich übertragen wurde.

Nun ist man fertig mit Fastboot, nimmt die Batterie raus und startet sein Handy neu. Tatsächlich kommt nun statt des bekannten Recoverybildschirms ein Recoverybildschirm mit erweiterten Funktionen, eben jenes angesprochene Amon RA Recovery 1.5.2. Hier gibt es unter “Flash zip from sdcard” die Möglichkeit, Updates ohne Beachtung der höheren Buildnummer einzuspielen. Zudem können diese direkt als *.zip-Dateien auf die Speicherkarte kopiert werden, das Entpacken und Herauskopieren des “dload”-Verzeichnisses entfällt hier. Ich kopierte also alle 7 möglichen Downloads auf die SD-Karte und probierte alle, von Build 214 bis Build 274, durch. Es klappte allerdings nie, denn jeweils fehlten laut englischer Amon-RA-Fehlermeldung Berechtigungen, die das Einspielen der Updates verhinderten. Ich tippte nach Internetrecherche zuerst auf eine falsch partitionierte SD-Karte, denn offensichtlich dürfen SD-Karten, mit denen man im Recoverymodus arbeitet, nicht nur eine FAT32-Partition enthalten, wie sie z.B. beim Formatieren mit Windows 7 erzeugt wird, sondern eine 512 MB große, “ext2” genannte FAT32-Zweitpartition und eine FAT32-Erstpartition, die den Rest zur vollen Kartengröße ergänzt. Mit “Erst-” und “Zweit-” meine ich die Lage der Partition auf der Karte. Das kann man mit Gparted machen, aber auch in Amon RA gibt es die Möglichkeit “Partition sdcard”. Ich kopierte alle Update-*.zips auf die neue Erstpartition, es half aber nichts, die Berechtigungsprobleme blieben und ich konnte keines der Updates einspielen.
Also glaubte ich, daß ich zum Einspielen eines sog. “Stock”-Updates (und um solche vorkonfigurierten, vom Hersteller unverändert zu übernehmenden Updates, im Gegensatz zu selbstgebauten “Custom”-Updates handelte es sich ja) Superuser-Berechtigungen brauchte. Wieder wurde ich bei Paul von Modaco fündig: http://www.romraid.com/paul/pulse/1.5-pulse-superboot.zip. Falls das Datum, das einem im Fastboot-Bildschirm (s.o.) auf dem Handy angezeigt wurde, vor Dezember 2009 liegt (SEHR unwahrscheinlich): http://www.romraid.com/paul/pulse/1.4-pulse-superboot.zip. Dieses Recoveryimage, das einem Superuser-Rechte bringen sollte, spielte ich nun auf die oben beschriebene Art per Fastboot auf das Handy. Zwar änderte sich danach nicht die Weigerung des Handies, eines der 7 heruntergeladenen *.zip-Updates einzuspielen, aber ich bemerkte, daß das Handy beim “normalen” Starten (also nur per Ein-/Ausschalter) den Startbildschirm von Oman Omantel, der von meinem mißglückten ersten Updateversuch noch übriggeblieben war, nicht mehr anzeigte, bevor es in die Recoveryumgebung wechselte! Somit war klar:

  1. Den Fastbootweg würde ich weiterhin nicht gehen können, weil die Berechtigungen weiterhin fehlten.
  2. Ich könnte also zurückgehen zum Einspielens eines Updates per “Lautstärke hoch”+”Auflegen”+”Ein/Aus”, aber ich mußte einen Build mit höherer Nummer als 274 finden.
  3. Den fand ich dann auch: T-Mobile Ungarn hat Android 2.1 für das Pulse/U8220, also die T-Mobile-gebrandete Schwester meines U8230, veröffentlicht: http://www.t-mobile.hu/static/szoftverek/t-mobile_pulse/T-Mobile_Pulse_2…. Das hab ich eingespielt, es funktionierte tadellos und blieb nicht mehr bei Schritt 2 stehen. Nun habe ich Android 2.1 Eclair auf meinem U8230!

Vorteile:
-mehr als 1000 Kontakte möglich
-Geotagging beim Fotographieren

Nachteile:
-häßliches T-Mobile-Design
-Icons für “Menü” und “Kontakte” vertauscht
-nur noch 40 MB interner Speicher
-keine französische Korrekturhilfe mehr
-Telefonjournal: Anruf von “unbekannter Nummer” einfach willkürlich einem Kontakt zugeordnet
-Telefonjournal: direkt nach dem Auflegen wird jeder Anruf mit 0:20 angezeigt, dann kann man im Journal die korrekte Zeit sehen, die sich dann auch noch mal ändert
-Untermenü “Anrufen” und “Kontakte”: Englisch trotz französischer Spracheinstellung

Wenn man das “CUSTOMIZED_HU”-Update auch noch einspielt, wird zumindest der Fehler, daß die Icons für “Kontakte” und “Menü” vertauscht sind, behoben, und es gibt mehr Symbole auf einem aufgeräumteren Desktop mit einer Uhr.

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